Es regnet, wenn Sie das Restaurant nach dem Geschäftsessen verlassen wollen? Bloß nicht den Regenschirm aufspannen, wenn Sie sich noch innerhalb des Gebäudes befinden. Zumindest wenn Sie in Frankreich sind. Denn dort gilt das Aufspannen eines Regenschirms in einem Raum als Unglücksbringer. Immerhin 41 Prozent der Franzosen sind laut Umfragen abergläubisch. In der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen sind es sogar 51 Prozent. Kein Wunder also vielleicht, dass in Paris seit über 25 Jahren eine Messe für Parapsychologie stattfindet – mit Kartenlegern, Astrologen und Hellsehern. Nach Angaben der Messeveranstalter kommen seit ein paar Jahren verstärkt Geschäftsmänner, die wissen wollen, ob ihr Unternehmen pleite gehen wird oder ob sie mit einer Kündigung rechnen müssen. Sie schämen sich nicht, denn sie befinden sich in guter Gesellschaft: Bereits der frühere Staatspräsident François Mitterrand konsultierte regelmäßig die bekannte Astrologin Elizabeth Teissier.
15. Januar 2012
Abergläubische Franzosen
In Frankreich blüht das Geschäft mit dem Aberglauben, auch wenn es laut Statistikamt INSEE gerade mal 2.300 als Unternehmen angemeldete Hellseher gibt, die zusammen auf einen Jahresumsatz von schätzungsweise 73 Millionen Euro kommen. Doch in Wirklichkeit dürfte die Zahl sehr viel höher liegen. In den letzten Jahren hat sich die Spezialbranche vor allem im Internet entwickelt. Die Masche der Anbieter ist immer gleich: Erstmal die Kunden auf die Webseite locken und sie dann zu einer gebührenpflichtigen Telefonberatung verführen. Drei Euro pro Minute lassen sie sich das im Schnitt kosten. Cosmospace, der führende Anbieter, kommt nach Angaben von Firmenchef Pascal Mari auf einen Umsatz von 15 Millionen Euro. „Horoskope machen nur zehn Prozent der Nachfrage aus. Am meisten gefragt sind die Hellseher und Kartenleger“, sagt er.
9. Januar 2012
Zarte Geruchsnerven
Schlechter Humor, unspontan und reserviert. Was wird den Deutschen im Ausland nicht alles nachgesagt. Ein Vorurteil, das sich in Brasilien etabliert hat, ist jedoch neu: Die Deutschen, genauer gesagt alle Europäer, sind ungewaschen. Kein Witz. Und die Brasilianer haben ihre guten Gründe. Nicht etwa, dass Besucher aus der nördlichen Hemisphäre auf südamerikanischem Boden tatsächlich strenger riechen, nein, aber dort wo sie herkommen, duscht man normalerweise nicht viermal am Tag. In Brasilien hingegen ist das nicht selten. Man duscht so oft man schwitzt und man schwitzt sobald man vor die Tür geht. Draußen herrschen nämlich gerne mal Temperaturen von 40 Grad und die Luftfeuchtigkeit gleicht der im Tropenhaus des Dortmunder Zoos. Die klimatisierten vier Wände zu verlassen, bedingt also automatische Schweißausbrüche. Dass es für die Haut nicht gut sei, sie so oft mit Wasser abzubrausen und auch für die Haare nicht, wenn sie so oft gewaschen werden, hören Brasilianer in aller Regel zum ersten Mal. Man erntet nur ungläubige Blicke ob dieser These und fängt dann selbst an zu zweifeln, ob die Eltern einem das vielleicht nur eingeredet haben, um Wasser zu sparen? Zum Glück muss man nicht lange versuchen, Brasilianer davon zu überzeugen, dass man tatsächlich reinlich und gepflegt ist und die Dusche nicht scheut, ganz im Gegenteil, es zieht einen nach kürzester Zeit ganz freiwillig dorthin und man freut sich auf die eiskalte Abkühlung.
Noch was zur Reinlichkeit, das ist in Brasilien wirklich ein großes Thema: Die Brasilianer lieben es, ihre Zähne zu putzen. Es ist im Geschäftsleben völlig normal, dass einem die Kollegen mit weißem Zahnpastaschaum vor dem Mund entgegenkommen, gründlichst im Büro ihre Zähne putzen und dann auf der Toilette den Mund ausspülen. Das Ganze, wie es sich gehört, nach jeder Mahlzeit. Dazu zählt auch ein Apfel oder ein Kaffee. Einige ergänzen die ganze Prozedur auch mit Zahnseide, vor allem nach dem Verzehr von Fleisch. Eine Zahnbürste findet man in jeder gut sortierten brasilianischen Handtasche oder respektive im Aktenkoffer.


