Archiv für Februar, 2012

25. Februar 2012

Große Augen

von solveena
Arruga

Das Wunderkraut Arruda schützt vor bösen Blicken

Der Aberglaube im Mittelalter war nichts gegen den Aberglauben in Brasilien 2012. Die Zahl 13, schwarze Katzen und die berühmte Leiter sind nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt eigentlich nichts, das einfach so passiert. Was man auch tut, höchstwahrscheinlich hat es Konsequenzen, ausgelöst – natürlich – von übermenschlichen Mächten. Das geht schon los, wenn man in einem Café oder bei Freunden seine Tasche auf den Boden stellt. Danach, das ist ziemlich sicher, wird man eine Menge Geld verlieren. Die Tasche muss immer über dem Boden sein. Es genügt sie auf einem Stuhl abzulegen oder sie an extra dafür befestigten Haken unterhalb des Tisches einzuhängen. Diese Haken gibt es übrigens auch zu kaufen, so dass man sie mobil immer dabei hat und sie herauskramen kann, sobald die Tasche befestigt werden muss. Nebenbei hat das Ganze sicherheitstechnische Gründe, denn was am Haken hängt, kann schlechter geklaut werden.
Wenn der unvoreingenommene Brasilien-Besucher am Strand entlang geht, wird er hier und da immer mal wieder schöne Keramikgefäße sehen, in die man wunderbar Topfblumen pflanzen könnte. Die Töpfe stehen meist verwaist herum und der aufmerksame Spaziergänger würde sie lieber mitnehmen, bevor sie das Meer davonspült, aber Halt! Bloß nicht anrühren! Das sind Gaben aus afrikanischen Religionen und wer da Hand anlegt, wird sofort von bösen Geistern verfolgt. Man wird keinen Brasilianer erleben, egal welchen Glaubens, der auch nur daran denken würde, die Töpfe anzufassen. Ganz im Gegenteil, man macht einen großen Bogen darum und bittet noch um Erlaubnis vorbeigehen zu dürfen.
Auch so eine Sache ist das “große Auge”. Brasilianer haben ganz feine Antennen für neidige Blicke, zumindest glauben sie das. Ständig haben sie jemanden im Visier, der ein “großes Auge” auf ihr neues Auto oder auf ihre schöne Frau geworfen hat. Diese Blicke können einem das ganze Leben ruinieren, sind sich viele Brasilianer sicher. Deshalb gibt es verschiedene Möglichkeiten, unter anderem die Kräuterpflanze Arruda, um große Augen wieder von sich zu weisen.
Auch bringt es Unglück mit dem linken Fuß in einen Bus einzusteigen oder über die Türschwelle zu treten. Der brasilianische Erfinder und Flugzeugkonstrukteur Alberto Santos Dumont erfand extra eine Treppe, deren Stufen jeweils nur auf einer Seite erweitert waren, so dass man gezwungen war mit dem rechten Fuß in sein Haus einzutreten (http://maps.google.com/maps/place?oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&um=1&ie=UTF-8&q=alberto+santos+dumont+petropolis&fb=1&hq=alberto+santos+dumont&hnear=0x9900627ae0c85f:0xfd55717b161343aa,Petr%C3%B3polis+-+Rio+de+Janeiro,+Brazil&cid=17722774964329197323). Dieses Haus steht übrigens noch als Museum in Petropolis  (http://www.petropolis.rj.gov.br/index.php?url=http%3A//fctp.petropolis.rj.gov.br/fctp/modules/xt_conteudo/index.php%3Fid%3D51)
4. Februar 2012

Weltwirtschaftsfronten

von rexonomy
Davos

Davos

„Ich neige als Naturwissenschaftler dazu, die Dinge auf ihr Wesentliches zu simplifizieren“, sagt Saul Perlmutter. „Wir haben uns den ganzen Abend über die Euro-Krise unterhalten und ich muss feststellen – das alles wäre kein Problem, wenn sich alle auf eine Lösung einigen würden.“ Staunende Augenpaare starren den kleinen, quirligen Physiknobelpreisträger sprachlos an. So hatten die anwesenden Damen und Herren – allesamt Teilnehmer des Davoser Weltwirtschaftsforums – die Sache offenbar noch nicht betrachtet. Und natürlich hat Perlmutter Recht: Es gibt tatsächlich Probleme der Menschheit, bei denen angestrengt nach einer Lösung gesucht wird, die nicht am Tisch liegt – man denke nur an die Suche nach Impfstoffen gegen bestimmte Krankheiten.

Ist die Schuldenkrise also eine Lappalie? Nicht mehr als ein meckeliger kleiner Streit zwischen Kindern, die sich ums Spielzeug streiten? Mal ehrlich: Wie viele Ihrer Probleme ließen sich lösen, wenn sich Ihre Mitmenschen einfach nur auf eine Lösung einigen würden? Lassen Sie mich raten: Deutlich mehr als die Hälfte?

Und dennoch hat Perlmutter seinen Finger in die richtige Wunde gelegt. Denn nichts zeigte das diesjährige Forum so deutlich, wie die Tatsache, dass die Fronten zwischen den Nationen verhärtet sind. Eine fruchtbare Diskussion zwischen Amerikanern, Briten und Kontinentaleuropäern fand in Davos nicht statt. Die deutsche Kanzlerin, der britische Ministerpräsident, der US-Finanzminister – alle waren sie da, doch gesprochen wurde hintereinander, nicht miteinander. Und dasselbe Spiel wiederholte sich in all den Diskussionsrunden, die das Forum ausmachen. Europäer diskutierten mit Europäern, Chinesen mit Chinesen und Amerikaner mit Amerikanern. Die Griechen tauchten vorsorglich gar nicht auf (nur eine Abgeordnete und fünf Wirtschaftsvertreter ließen sich blicken). Ja, da kann man schon mal wie Perlmutter rufen: Hallo?? Redet doch mal miteinander!

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.