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9. April 2012

Weg mit den alten Tretern

von beijing4every1

Kundenservice á la USA

Manchmal erscheinen einem 16 Stunden Entfernung im Flugzeug wie ein Flug zum Mars. Zumindest wenn man in Deutschland vom Karstadt in San Diego im Nordstrom landet. Während eines Besuchs wurde ich Zeuge einer außerirdischen Begebenheit: Wie eine Freundin Schuhe in letzterem Geschäft zurückgab.

Freundin: Ich möchte gerne Schuhe zurückgeben.

Verkäufer: Selbstverständlich.

Freundin: Sie sind nicht mehr im Originalkanton.

(Ohoh….)

Verkäufer: Kein Problem.

Sie holt die Schuhe aus der Tüte hervor, auf dem weißen Stoff sieht man mehrere deutliche Gebrauchtspuren.

Freundin: Es war ein Geschenk an meinen Bruder: Er hat sie ein paar Mal getragen aber sie sind ihm nun doch zu eng.

(Sorry, aber wie kam das Mädel bitte auf die Idee, dass sie offensichtlich mehrfach getragene Schuhe zurückgeben kann?)

Verkäufer: Kein Problem. Haben Sie die Rechnung?

(Wie jetzt?)

Freundin: Nein, die habe ich leider nicht mehr.

(Wie bitte???? Wieso sind wir dann hier?)

Verkäufer: Kein Problem. Haben Sie die Kreditkarte, mit der sie sie gekauft haben?

Freundin: Ich habe leider vor einem Monat meine Kreditkarte verloren.  

(Bin ich im Zirkus? Versteckte Kamera? Na gut, jetzt gehen wir aber.)

Verkäufer: Kein Problem. Wann haben Sie die Schuhe denn gekauft?

(Waaaasss?)

Freundin: In einer Rabattaktion vor Weihnachten. (Es ist Anfang Februar)

(Ich drehe mich mit dem Rücken zu den beiden, weil ich mein Kinn nicht mehr im Griff habe.)

Verkäufer: Sehr gut, dann finden wir die Rechnung. Wie ist ihr Name?

Freundin: XYZ

Verkäufer schaut in System nach, findet die Rechnung und erstattet den Kaufbetrag.

Ich bin stolz, dass ich weder den Verkäufer noch die Freundin anpicke, um festzustellen, ob sie alien-grünes Blut haben.

9. März 2012

Die verlorenen Stockwerke

von beijing4every1
Aberglaube kostet Geld

Aberglaube kostet Geld

Sie kennen keine bereits eingetretene, drastische Folge der Globalisierung?

Dabei reicht ein kritischer Blick auf die Knöpfe des Aufzugs eines deutsch-chinesischen Unternehmens, um das offensichtliche Risiko zu entdecken: Wir verlieren Stockwerke! Wie auf dem Foto zu sehen, scheint das Gebäude 21 Stockwerke zu haben.  Schaut man jedoch genauer hin, offenbart sich, dass es einen 4., einen 13. und einen 14. Stock vermisst – und selbstverständlich ganz amerikanisch kein Erdgeschoss hat. Das Gebäude entspricht also nach deutschen Maßen einem mit 17 Etagen. Wieso? Nun 4, im Chinesischen „sì“, klingt wie das chinesische Wort für Tod „sǐ“. Damit ist sie zur Unglückszahl degradiert worden. Das gilt aber leider nicht nur für die 4,  sondern auch für jede andere Zahl, die eine 4 enthält – also 14, 40, 10294556 (zumindest theoretisch). Wieso die 13 eine Unglückszahl der Deutschen ist, ist zwar dem aufgeklärten Bürger von heute ein Rätsel, aber trotzdem bekannt.

Was passiert, wenn wir noch internationaler werden? Sagen wir eine Kooperation mit Italien, könnte uns schnell die 17 kosten – eine den Italienern unheimlichere Nummer als die 13. Schon sind wir bei faktisch 16 Stockwerken. Und was ist mit anderen Nationen und ihrem Aberglaube? Naher Osten? Afrika? Irgendwann steigen wir im 1. Stock ein und befinden uns eine Etage höher im 23..

Aber seien wir positiv: Wie schön ist es, im 10. Stock zu sitzen und einen Termin im 15. zu haben – statt der Alternative langer Wartezeiten und schweißtreibender fünf Etagen, hat man nur angenehme drei Stockwerke zu überwinden – und noch Zeit für einen Kaffee vor dem Meeting.

29. Dezember 2011

Im Satzgewebe verheddert

von beijing4every1
China

China

Eine chinesische Kollegin erzählte mir einmal, wie sie bei einem internationalen Führungskräftetraining ihrer Firma teilnahm. Durch einen Zufall waren außer ihr nur ein anderer Chinese und sonst ausschließlich Deutsche anwesend. In einer Übung saßen sich die beiden Chinesen gegenüber und spielten die Situation eines Chefs, der einem Mitarbeiter eine Verwarnung geben musste. Drumherum saßen die deutschen Kollegen, um das Gespräch zu beurteilen und danach Hilfestellung zu geben. Als sie und der Kollege sich zufrieden nach dem Gespräch umsahen, schauten sie in ratlose Gesichter: Die Beobachter waren fassungslos. Aus ihrer Sicht war es kaum zehn Sekunden um das relevante Thema gegangen und ansonsten war nur aufs aller freundlichste parliert worden. Die beiden Chinesen waren von der Reaktion ebenso überrascht, hatten sie doch ein sehr ernsthaftes und für chinesische Verhältnisse deutliches Gespräch geführt.

Auch wenn ich mit chinesischer Kommunikation mehr vertraut bin als meine anwesenden deutschen Kollegen, frage auch ich mich immer wieder, ob ich das Gesagte richtig interpretiert habe.  Ich kann mich nicht erinnern, im Chinesischen ein klares ‚Nein’  im geschäftlichen Kontext häufig gehört zu haben. Natürlich bekommt man auf die alltägliche Fragen wie: „Gibt es noch eine Cola?“ gegebenenfalls ein ‚Nein’. Aber schon bei der Frage: „Kannst du das bis morgen erledigen?“ erhält man fast immer ein ‚Ja’ – was aber noch lange nicht bedeutet, dass die Sache morgen erledigt wäre. Denn manchmal hat der Antworter das Gefühl, dass der Frager sich bei der Frage bewusst war, dass dies unmöglich ist- sein Bejahen ist damit mehr eine Höflichkeitsbezeugung als eine Antwort und er steht am nächsten Tag etwas verdattert da, wenn man ihn um das Ergebnis bittet.

Die meisten Chinesen sagen nicht einfach so ‚Nein’. Sie spinnen ein für jeden, der in dem Kulturkreis aufgewachsen ist, sofort ersichtliches Satzgewebe, das auf ein ‘Nein’ hinausläuft.  Als Europäer bekommt man am Anfang nur die deutlichen Nein-Konstruktionen mit wie „In China geht das nicht.“ oder „Wir haben eine interne Richtlinie, die das untersagt.“ oder „Du verstehst China noch nicht.“ All diese Sätze sagen – egal wie freundlich ausgesprochen und mit wie viel Lächeln begleitet – NEIN!!!! (Aber keine Sorge, wenn ihr es hört: In China ist alles verhandelbar – es könnte nur teurer werden.)

13. November 2011

Diese Chinesen…

von beijing4every1

Zusammensetzung der chinesischen Bevölkerung – aus deutscher Sicht

Die Deutschen sind pünktlich, die Amerikaner sind Klimasünder und Griechen leben auf Kosten anderer – wer hat diese Vorurteile nicht schon gehört und lächelnd als Pauschalisierung abgetan? Das fällt uns bei Nationen, mit denen wir öfters zu tun haben, auch leicht. Schließlich kennen wir Gegenbeispiele: Hans Eichels legendäres Hereinstolpern bei Sandra Maischbergers erster Sendung, Al Gore als Retter des blauen Planeten und – ok, bei den Griechen fällt mir gerade leider kein prominentes Gegenbeispiel ein. Trotzdem scheinen die Vorurteile zuzunehmen, je weiter die Kultur von unserer entfernt ist. Wenn man mit Deutschen über China spricht, entsteht ein bizarrer Eindruck:

Nach dem Vorbild von http://www.graphitti-blog.de/ erstellt.

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11. Oktober 2011

Zur Jagd freigegebene Artenvielfalt

von beijing4every1
Logos chinesische Automarken

Wie viele der Marken kennt ihr?

Wer das erste Mal in China ist, erlebt auf den Straßen eine Vielfalt, die Biologen vermutlich an den Regenwald erinnern lässt. Wer bisher dachte, er wäre ein Autokenner, sieht sich schnell in Erklärungsnöten ob der verschiedenen Marken.

Natürlich ist das bei einem wachsenden Markt keine unbekannte Situation: Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es in Deutschland über 100 Automobilbauer. In Amerika kam man zu Beginn des zweiten Weltkriegs sogar auf über 300 Hersteller. Es brauchte erst die Wirtschaftskrise der 30er Jahre, um die Konsolidierung herbeizuführen. Firmen wie AGA, Alfi, Apollo, Brennabor,  Dixi, Dürkopp, NAG, Ley, Selve, Steiger – fast 100 Jahre später sagen einem die Namen praktisch nichts, obwohl die Unternehmen bis zu 1.000 Fahrzeuge im Monat produzierten.
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11. September 2011

Von Drachenschwänzen

von beijing4every1
VW Santana

VW Santana

Was VW bei seinem Eintritt in den chinesischen Markt nicht beachtet hatte, war der Drache. Komisch eigentlich, wo doch Tempel, Restaurants, Werbung voll davon sind. Aber irgendwie war eine den Chinesen völlig klare Assoziation mit dem Fabelwesen nicht in die deutschen Managerköpfe vorgedrungen:

Das erste Fahrzeug, was VW in China lancieren wollte, war – wer hätte es gedacht – das weltweit erfolgreichste Modell, der Golf. Ein wundervolles Auto für die Massen – etwas teuer, dafür zuverlässig, geräumig, solide. Die Chinesen begrüßten das Fahrzeug völlig überraschend für die welt-erfahrenen VW Manager – mit Verachtung!

Wieso? Dem Golf fehlte einfach der Schwanz.

Für Chinesen wird das Auto durch den Drachen symbolisiert. Dieser teilt sich in drei Bereiche auf: Feuerspeiender Kopf (Motor), Rumpf (Fahrgastzelle) und Schwanz (Kofferraum). Durch sein abrupt abfallendes Heck, fehlte dem Golf damit der obligatorische Schwanz – unverzeihlich aus chinesischer Sicht.

VW lernte schnell und baute kurzerhand die Produktionsanlagen des völlig erfolglosen Santana in Europa ab und in China wieder auf – Dank seiner Karosserie, Limousine, ein großer Erfolg und noch heute – 30 Jahre später ein viel gesehenes Fahrzeug in China.

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