In Russland ein Auto anmelden – das ist ein Kreuz. Bei meinem 13 Jahre alten BMW war die Motorennummer nicht mehr deutlich lesbar. Da hilft nur ein Gutachten. Die sind kostenfrei. So können sich die Mitarbeiter in der Zulassungsstelle nicht mehr an den Gebühren bereichern – so des Gesetzgebers Denke. Doch leider ist der Andrang am Anmeldebüro für Ausländer so groß, dass so ein Gutachten vier Monate dauert. Geht natürlich auch schneller, so der auskunftsfreudige Prüfer. Für 400 Euro in bar. Dann ist das Gutachten in einer Woche fertig. So habe ich also vier Monate auf die erste Spritztour durch Moskau gewartet.
Das ist nunmehr vier Jahre her. Mittlerweile hat Präsident Medwedew Rechtsnihilismus und Korruption einen erbarmungslosen Kampf prophezeit. Es wurden Antikorruptionsgesetze erlassen. Doch geändert hat sich nichts. Während andere Staaten im Korruptionsindex von Transparency International besser werden, tritt Russland auf der Stelle. Und liegt nunmehr gleichauf mit Laos und Tadschikistan.
Dabei ist die Autoanmeldung noch das kleinste Übel. Für eine Baugenehmigung braucht man über 50 Teilgenehmigungen. Von unterschiedlichen Prüfern. Aus unterschiedlichen Behörden. Von denen habe keiner auch nur ansatzweise Interesse an ausländischen Investoren – sondern nur an der eigenen Kasse, klagen deutsche Unternehmer. Ergo: Der Rubel rollt. Apropos rollen. Lkw-Fahrten durch Russland übernähmen für seine Firma längst ukrainische oder weißrussische Fahrer, erzählte mir diese Woche ein deutscher Spediteur. Weil Deutsche an jedem Kontrollposten zur Kasse gebeten würden. Und wer am Zollposten zu Russland nicht wochenlang auf die Abfertigung warten will, legt den Frachtpapieren ungefragt 250 bis 500 Euro bei. Doing business in Russland – das ist ein Kreuz.
