Artikel getaggt mit ‘Brasilien’

9. Januar 2012

Zarte Geruchsnerven

von solveena

                        Brasilianer schwitzen nicht gern

Schlechter Humor, unspontan und reserviert. Was wird den Deutschen im Ausland nicht alles nachgesagt. Ein Vorurteil, das sich in Brasilien etabliert hat, ist jedoch neu: Die Deutschen, genauer gesagt alle Europäer, sind ungewaschen. Kein Witz. Und die Brasilianer haben ihre guten Gründe. Nicht etwa, dass Besucher aus der nördlichen Hemisphäre auf südamerikanischem Boden tatsächlich strenger riechen, nein, aber dort wo sie herkommen, duscht man normalerweise nicht viermal am Tag. In Brasilien hingegen ist das nicht selten. Man duscht so oft man schwitzt und man schwitzt sobald man vor die Tür geht. Draußen herrschen nämlich gerne mal Temperaturen von 40 Grad und die Luftfeuchtigkeit gleicht der im Tropenhaus des Dortmunder Zoos. Die klimatisierten vier Wände zu verlassen, bedingt also automatische Schweißausbrüche. Dass es für die Haut nicht gut sei, sie so oft mit Wasser abzubrausen und auch für die Haare nicht, wenn sie so oft gewaschen werden, hören Brasilianer in aller Regel zum ersten Mal. Man erntet nur ungläubige Blicke ob dieser These und fängt dann selbst an zu zweifeln, ob die Eltern einem das vielleicht nur eingeredet haben, um Wasser zu sparen? Zum Glück muss man nicht lange versuchen, Brasilianer davon zu überzeugen, dass man tatsächlich reinlich und gepflegt ist und die Dusche nicht scheut, ganz im Gegenteil, es zieht einen nach kürzester Zeit ganz freiwillig dorthin und man freut sich auf die eiskalte Abkühlung.
Noch was zur Reinlichkeit, das ist in Brasilien wirklich ein großes Thema: Die Brasilianer lieben es, ihre Zähne zu putzen. Es ist im Geschäftsleben völlig normal, dass einem die Kollegen mit weißem Zahnpastaschaum vor dem Mund entgegenkommen, gründlichst im Büro ihre Zähne putzen und dann auf der Toilette den Mund ausspülen. Das Ganze, wie es sich gehört, nach jeder Mahlzeit. Dazu zählt auch ein Apfel oder ein Kaffee. Einige ergänzen die ganze Prozedur auch mit Zahnseide, vor allem nach dem Verzehr von Fleisch. Eine Zahnbürste findet man in jeder gut sortierten brasilianischen Handtasche oder respektive im Aktenkoffer.
4. Dezember 2011

Man kann nur einem “Nein” trauen

von solveena
Straßenszene

Brasilien

Unmissverständlich “Nein” sagt man in Brasilien eigentlich nur einem interessierten Mann. Dann stehen die Chancen einigermaßen gut, dass er – wenigstens nach mehrmaligem Wiederholen des klaren “Neins” – von einem ablässt. Ansonsten fällt das Wort “Nein” in Brasilien eher selten. Will man beispielsweise einer Einladung zum Grillen, also zum churrasco, fern bleiben, ist eine kleine Ausrede durchaus empfehlenswert. In jedem Fall ist man “leider verhindert” oder “meldet sich noch mal”. Auch gerne genommen ist die Aussage “Ich schaue mal, ob ich es schaffe” – eigentlich weiß dann jeder, der Gast kommt nicht.
Niemals wird man ein “Nein” nach dem Anprobieren eines Kleidungsstücks oder eines Paares Schuhe hören. Es ist immer alles toll, aber man kommt dann noch mal wieder,… gerne auf dem Rückweg. Für den Verkäufer ist damit alles klar – der Schuh bleibt vorerst im Schaufenster.
Mit dem “Ja” ist es deutlich einfacher. Das fängt schon damit an, dass Brasilianer gemeinhin gerne zustimmen. Auf Konfrontation gehen sie nur ungern. Man sollte sich auf ein “Ja” jedoch nicht gleich verlassen. Wenn man beispielsweise fragt: “Könntest du mir beim nächsten Mal bescheid sagen, wenn du in die Stadt fährst?” und die Antwort “Ja” lautet, dann ist es trotzdem sehr unwahrscheinlich, dass man wirklich darauf hingewiesen wird. Auch entwickeln vor allem Männer im Geschäftsleben ein ungemeines Selbstvertrauen, das schnell zu einem voreiligen, euphorischen “Ja” führen kann. Man könnte ohne weiteres einen Gärtner fragen, ob er sich zutraut, im Garten das Empire State Building nachzubauen. Zu 100% kann er. Der Preis ist schnell ausgehandelt und es kann losgehen, nur mit Sicherheit hat der Bautrupp am nächsten Morgen weder Schaufel noch Schubkarre dabei, geschweige denn einen Plan, wie das mit dem Gebäude überhaupt funktionieren soll. Unterm Strich gilt: Nichts ist unmöglich in Brasilien, aber einem Nein kann man eher trauen als einem Ja.

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