Zarte Geruchsnerven
Man kann nur einem “Nein” trauen
Unmissverständlich “Nein” sagt man in Brasilien eigentlich nur einem interessierten Mann. Dann stehen die Chancen einigermaßen gut, dass er – wenigstens nach mehrmaligem Wiederholen des klaren “Neins” – von einem ablässt. Ansonsten fällt das Wort “Nein” in Brasilien eher selten. Will man beispielsweise einer Einladung zum Grillen, also zum churrasco, fern bleiben, ist eine kleine Ausrede durchaus empfehlenswert. In jedem Fall ist man “leider verhindert” oder “meldet sich noch mal”. Auch gerne genommen ist die Aussage “Ich schaue mal, ob ich es schaffe” – eigentlich weiß dann jeder, der Gast kommt nicht.
Niemals wird man ein “Nein” nach dem Anprobieren eines Kleidungsstücks oder eines Paares Schuhe hören. Es ist immer alles toll, aber man kommt dann noch mal wieder,… gerne auf dem Rückweg. Für den Verkäufer ist damit alles klar – der Schuh bleibt vorerst im Schaufenster.
Mit dem “Ja” ist es deutlich einfacher. Das fängt schon damit an, dass Brasilianer gemeinhin gerne zustimmen. Auf Konfrontation gehen sie nur ungern. Man sollte sich auf ein “Ja” jedoch nicht gleich verlassen. Wenn man beispielsweise fragt: “Könntest du mir beim nächsten Mal bescheid sagen, wenn du in die Stadt fährst?” und die Antwort “Ja” lautet, dann ist es trotzdem sehr unwahrscheinlich, dass man wirklich darauf hingewiesen wird. Auch entwickeln vor allem Männer im Geschäftsleben ein ungemeines Selbstvertrauen, das schnell zu einem voreiligen, euphorischen “Ja” führen kann. Man könnte ohne weiteres einen Gärtner fragen, ob er sich zutraut, im Garten das Empire State Building nachzubauen. Zu 100% kann er. Der Preis ist schnell ausgehandelt und es kann losgehen, nur mit Sicherheit hat der Bautrupp am nächsten Morgen weder Schaufel noch Schubkarre dabei, geschweige denn einen Plan, wie das mit dem Gebäude überhaupt funktionieren soll. Unterm Strich gilt: Nichts ist unmöglich in Brasilien, aber einem Nein kann man eher trauen als einem Ja.


