„Ich neige als Naturwissenschaftler dazu, die Dinge auf ihr Wesentliches zu simplifizieren“, sagt Saul Perlmutter. „Wir haben uns den ganzen Abend über die Euro-Krise unterhalten und ich muss feststellen – das alles wäre kein Problem, wenn sich alle auf eine Lösung einigen würden.“ Staunende Augenpaare starren den kleinen, quirligen Physiknobelpreisträger sprachlos an. So hatten die anwesenden Damen und Herren – allesamt Teilnehmer des Davoser Weltwirtschaftsforums – die Sache offenbar noch nicht betrachtet. Und natürlich hat Perlmutter Recht: Es gibt tatsächlich Probleme der Menschheit, bei denen angestrengt nach einer Lösung gesucht wird, die nicht am Tisch liegt – man denke nur an die Suche nach Impfstoffen gegen bestimmte Krankheiten.
Ist die Schuldenkrise also eine Lappalie? Nicht mehr als ein meckeliger kleiner Streit zwischen Kindern, die sich ums Spielzeug streiten? Mal ehrlich: Wie viele Ihrer Probleme ließen sich lösen, wenn sich Ihre Mitmenschen einfach nur auf eine Lösung einigen würden? Lassen Sie mich raten: Deutlich mehr als die Hälfte?
Und dennoch hat Perlmutter seinen Finger in die richtige Wunde gelegt. Denn nichts zeigte das diesjährige Forum so deutlich, wie die Tatsache, dass die Fronten zwischen den Nationen verhärtet sind. Eine fruchtbare Diskussion zwischen Amerikanern, Briten und Kontinentaleuropäern fand in Davos nicht statt. Die deutsche Kanzlerin, der britische Ministerpräsident, der US-Finanzminister – alle waren sie da, doch gesprochen wurde hintereinander, nicht miteinander. Und dasselbe Spiel wiederholte sich in all den Diskussionsrunden, die das Forum ausmachen. Europäer diskutierten mit Europäern, Chinesen mit Chinesen und Amerikaner mit Amerikanern. Die Griechen tauchten vorsorglich gar nicht auf (nur eine Abgeordnete und fünf Wirtschaftsvertreter ließen sich blicken). Ja, da kann man schon mal wie Perlmutter rufen: Hallo?? Redet doch mal miteinander!


