Artikel getaggt mit ‘Kommunikation’

11. Dezember 2011

Die Wiener Diplomatie…

von rexonomy
Wien

Wien

Er war völlig aufgelöst: „Stell dir vor, da sagt mir dieser Landsmann von dir doch tatsächlich ins Gesicht, dass ihn das Thema nicht interessiert! Wie kann der so unhöflich sein??“

Das also kann passieren, wenn ein Wiener Pressesprecher auf einen deutschen Journalisten trifft. Beide glauben, dass sie sich ohne weiteres verstehen – wenn man mal vom unterschiedlichen Sprachklang absieht. Doch es ist ein Trugschluss, wenn Deutsche glauben, dass sie es in der Kommunikation mit Wienern aufnehmen können, wenn sie erst mal ihren Wortschatz aufgemöbelt haben und verstehen, dass  eine „Beilage“ am Briefende mit Kulinarik nichts zu tun hat, sondern eine ganz schnöde „Anlage“ meint und die „Mistkübel“ am Straßenrand nicht für die Fiaker-Pferde reserviert sind, sondern durchaus für die Allgemeinheit gedacht sind.

„Nun ja“, erwidere ich meinem Bekannten, „ich gehe davon aus, dass er das nicht unhöflich gemeint hat, sondern dir signalisieren wollte, dass du keine weiteren Mails schicken musst, weil es nichts bringen wird. Das spart dir doch auch Zeit.“  Dem Argument kann der Wiener wenig abgewinnen: „Tsss, Effizienz geht bei euch über alles. Er hätte ja auch sagen können, dass er sich das mal anschaut und sich bei mir meldet. Dann hätte ich das ja auch verstanden.“ Ja, er schon. Aber der Deutsche nicht.

Natürlich würde klare Kommunikation schneller funktionieren. Aber mit der Frontal-Kommunikationsstrategie kommt man als Deutscher in Wien nicht vorwärts, sondern tritt von einem Schlips auf den nächsten…

19. November 2011

Wenn Russen “njet” sagen

von exportamball

 

Russischer Fischmarkt

Russischer Fischmarkt

Auf Russen ist Verlass. Wer Ja sagt, meint das auch so. Zumindest in der Regel. „Da, ja budu“ heißt „Ja, ich komme“. Und zwar mit derselben Pünktlichkeit, wie man sie uns Deutschen nachsagt. Und besonders gegenüber Deutschen besinnen sich viele auf die Kardinaltugenden. Was für Alltagssituationen unter Freunden und Bekannten gilt, das gilt auch fürs Geschäft. Deutsche Unternehmer und Banker sind sich einig: Russen stehen zu ihren Verträgen. Ein „Da“ unter Geschäftsleuten ist mehr als die halbe Miete. Die Zahlungsmoral russischer Firmen ist weit besser als ihr Ruf. Die Statistik ist eindeutig: Komplettausfälle haben die wenigsten deutschen Unternehmer im Russlandbusiness zu beklagen. Und wenn russische Unternehmer – wie zur Wirtschaftskrise – gerade nicht liquide sind, so strecken langjährige Geschäftspartner schon mal Zahlungsziele. Denn die Erfahrung hat gezeigt: Russen stehen zu ihrem Wort.

So verlässlich das russische „Da“ ist, so vernichtend und eindeutig fällt das „Njet“ aus. Sich mit List und Tücke, mit Wenn und Aber aus der Affäre stehlen – das ist keine russische Eigenschaft. Russen bevorzugen klare Ansagen. Und genauso klare Absagen. Gerade bei Erstkontakten wie etwa am Telefon, auf Messen oder im Kaufhaus hat Diplomatie keinen Platz. Bittsteller haben schlechte Karten, wenn Sie ihrem Gegenüber nicht sofort einen Nutzenzuwachs in Aussicht stellen können. Russische Sekretärinnen sehen es oft als sportliche Herausforderung an, Anrufer nicht zu Kollegen oder gar zum Chef durchzustellen. Zur Weißglut treibt mich in Russland nur noch das „Njet“ im Supermarkt. Wenn ich an der Wursttheke stehe und nicht eine ganze, sondern die Hälfte einer bereits angeschnittenen Fleischwurst will. „Njet, die gibt’s nur im Stück“, fährt mich meine Lieblingsverkäuferin regelmäßig an. Das Gute daran: Auf die Antwort ist Verlass.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.