Er war völlig aufgelöst: „Stell dir vor, da sagt mir dieser Landsmann von dir doch tatsächlich ins Gesicht, dass ihn das Thema nicht interessiert! Wie kann der so unhöflich sein??“
Das also kann passieren, wenn ein Wiener Pressesprecher auf einen deutschen Journalisten trifft. Beide glauben, dass sie sich ohne weiteres verstehen – wenn man mal vom unterschiedlichen Sprachklang absieht. Doch es ist ein Trugschluss, wenn Deutsche glauben, dass sie es in der Kommunikation mit Wienern aufnehmen können, wenn sie erst mal ihren Wortschatz aufgemöbelt haben und verstehen, dass eine „Beilage“ am Briefende mit Kulinarik nichts zu tun hat, sondern eine ganz schnöde „Anlage“ meint und die „Mistkübel“ am Straßenrand nicht für die Fiaker-Pferde reserviert sind, sondern durchaus für die Allgemeinheit gedacht sind.
„Nun ja“, erwidere ich meinem Bekannten, „ich gehe davon aus, dass er das nicht unhöflich gemeint hat, sondern dir signalisieren wollte, dass du keine weiteren Mails schicken musst, weil es nichts bringen wird. Das spart dir doch auch Zeit.“ Dem Argument kann der Wiener wenig abgewinnen: „Tsss, Effizienz geht bei euch über alles. Er hätte ja auch sagen können, dass er sich das mal anschaut und sich bei mir meldet. Dann hätte ich das ja auch verstanden.“ Ja, er schon. Aber der Deutsche nicht.
Natürlich würde klare Kommunikation schneller funktionieren. Aber mit der Frontal-Kommunikationsstrategie kommt man als Deutscher in Wien nicht vorwärts, sondern tritt von einem Schlips auf den nächsten…

